KI-Boom auf dem Prüfstand: Nasdaq fällt 4,5 %, Aktien überholen Immobilien
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MargixDE -
19. Oktober 2026 um 07:17 -
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Die Börse stellt dem KI-Boom derzeit eine unbequeme Frage: Wann verdienen die riesigen Investitionen ihr Geld zurück? In der Woche vom 9. bis 16. Oktober 2026 verlor die Nasdaq Composite rund 4,5 % und schloss bei etwa 26.140 Punkten. Der S&P 500 gab 1,9 % auf rund 7.659 Punkte nach. Belastet wurden vor allem Technologiewerte, wegen Sorgen um Schulden und die Finanzierung neuer Rechenzentren.
Gleichzeitig gibt es Stimmen, die dem Markt weiter Spielraum zutrauen. Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment, war monatelang vorsichtig und hat seine Haltung nun geändert. Hinzu kommt eine Marke, die zeigt, wie stark die US-Wirtschaft an der Börse hängt: Aktien sind nach einer Auswertung von TD Securities inzwischen der größte Vermögensposten amerikanischer Haushalte.
Wir sortieren die drei Meldungen und zeigen, was gesichert ist und wo es bei Prognosen bleibt.
Die Woche an den Märkten
Der Rückschlag war nicht überall gleich stark. Der Russell 2000 verlor 3,0 %, der Dow Jones legte dagegen um 0,7 % zu und stand über 52.000 Punkten. Europas STOXX 600 stieg um mehr als 2 % auf fast 645 Punkte, gestützt von soliden Unternehmenszahlen. Das deutet laut Wochenrückblick eher auf eine Umschichtung zwischen Branchen hin als auf einen allgemeinen Ausverkauf.
Auffällig war die Reaktion auf die US-Inflation. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,6 % zum Vormonat und 3,7 % zum Vorjahr. Die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel erhöhte sich von 2,4 auf 2,6 %. Dennoch sanken die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, weil Anleger Sicherheit suchten. Am Freitag lagen sie bei rund 5,09 %. Die niedrigeren Renditen stoppten den Ausverkauf bei vielen Chipwerten nicht.
Warum die KI-Rechnung jetzt zählt
Laut Wochenrückblick reicht eine gute KI-Geschichte allein nicht mehr, um hohe Bewertungen zu tragen. Ein Teil der Sorge gilt hoch verschuldeten KI-Unternehmen, die ihre Ausgaben womöglich schwerer finanzieren können. Sinkende Staatsanleiherenditen ändern daran nichts.
Dazu kommt das Zinsumfeld. Für die Fed-Sitzung am 27./28. Oktober gilt eine Zinspause als wahrscheinlichstes Szenario, für Dezember wird eine weitere Erhöhung erwartet. Mary Daly sprach nach den Inflationsdaten von weiterem Straffungsbedarf, aber ohne Eile. Auch Brent-Öl bei fast 110 US-Dollar je Barrel zeigt, dass der Preisdruck hoch bleibt.
Der Gegenentwurf: Riße wird optimistisch
Riße hält Aktien trotz höherer Zinsen bis Jahresende für aufwärtsgerichtet. Sein wichtigstes Argument sind die Unternehmensgewinne. Für das dritte Quartal rechnet er mit einem Gewinnwachstum von 27 % zum Vorjahr, für das Gesamtjahr mit rund 29 % im S&P 500. Die Kurse sind bislang nur um etwa 13 % gestiegen, deshalb sinken die Bewertungen sogar.
Zudem verdienen laut Riße Nvidia ➡️, Microsoft ➡️, Amazon ➡️, Alphabet ➡️ und Meta ➡️ schon heute viel Geld mit KI- und Cloud-Diensten. Das unterscheide die Lage vom Dotcom-Boom um das Jahr 2000. Wichtig: Das sind Prognosen eines einzelnen Strategen, keine Garantien. Der US Tech 100 notierte laut Quelle am 16. Oktober um 22:00 Uhr bei 29.208 Punkten, ein Minus von 2,46 %. Diese Indikation betrifft einen anderen Index als die Nasdaq Composite, die Zahlen sind also nicht direkt vergleichbar.
Aktien überholen Immobilien
Nach TD Securities machen Aktien inzwischen mehr als 30 % des Vermögens der US-Haushalte aus, Immobilien nur noch rund 25 %. Mitte der 2000er-Jahre war es umgekehrt. Laut Federal Reserve lagen direkt und indirekt gehaltene Aktien Ende Juni bei rund 74 Billionen US-Dollar, selbst genutzte Wohnimmobilien bei knapp 50 Billionen. Das Nettovermögen der Haushalte erreichte mit 195,9 Billionen US-Dollar einen Höchststand und stieg allein im zweiten Quartal um 12,8 Billionen.
Der S&P 500 hat seit Oktober 2022 rund 118 % zugelegt. Der Immobilienmarkt leidet dagegen unter hohen Zinsen: 30-jährige Hypotheken kosten rund 7,4 %. Bei einem Kredit über 500.000 US-Dollar liegt die monatliche Rate laut Bankrate bei etwa 3.421 US-Dollar, im Februar waren es 2.991. Mark Zandi von Moody's Analytics sagte dazu: "Das ist KI gegen den Wohnungsmarkt." Heather Long von der Navy Federal Credit Union warnt, ein größerer Börseneinbruch könnte heute weitreichende Folgen für die Wirtschaft haben. Als Beispiel nennt sie die Rezession 2001 nach dem Platzen der Dotcom-Blase.
Die Zeitleiste
- 19. Oktober: Chinas Wachstumszahlen für das dritte Quartal
- 20. Oktober: Netflix ➡️ berichtet
- 21. Oktober: Meta, Tesla ➡️, IBM ➡️ und SAP berichten; britische September-Inflation
- 22. Oktober: Umsatzberichte von Roche, Hermès und Nestlé
- 23. Oktober: vorläufige Einkaufsmanagerindizes, unter anderem für Europa und die USA
- 27./28. Oktober: Fed-Sitzung, Zinspause erwartet
Was du jetzt wissen solltest
- Der Rückschlag war konzentriert: Die Nasdaq verlor 4,5 %, der Dow Jones legte zu und Europas Börsen stiegen.
- Investitionen und Finanzierung rücken in den Fokus: Gewinne und Margen allein überzeugen weniger, wenn unklar bleibt, wie die Ausgaben bezahlt werden.
- Die Gewinnprognosen sind stark, aber unsicher: Riße erwartet rund 29 % Gewinnplus im S&P 500, das ist seine Einschätzung.
- Die US-Haushalte hängen stärker an der Börse: Das stützt den Konsum, solange die Kurse steigen, und erhöht das Risiko bei einem Einbruch.
Unsere Einschätzung
Die Quellen zeichnen kein einheitliches Bild, und genau das ist die Aussage. Für den KI-Boom sprechen hohe Gewinnprognosen und der Umstand, dass die großen Anbieter schon Geld verdienen. Dagegen stehen hohe Inflation, absehbar weitere Zinserhöhungen, ein Ölpreis nahe 110 US-Dollar und Fragen zur Finanzierung der Rechenzentren. Die kommende Berichtssaison zeigt, ob zusätzliche Umsätze die hohen Ausgaben rechtfertigen. Da eine Fed-Pause weitgehend eingepreist ist, könnten Überraschungen bei Margen, Investitionen und Konjunktur stärker wirken.
Auch der Vermögensaufstieg der Aktien hat zwei Seiten. Er zeigt, wie stark die Kurse zuletzt gestiegen sind, macht die US-Wirtschaft aber verwundbarer, falls die KI-Begeisterung nachlässt. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ist das ausdrücklich nicht. Prüfe deine eigene Streuung und dein Risiko, statt nur auf die Erzählung vom nächsten Boom zu setzen.
Wie seht ihr das: Ist der Rückschlag bei Nasdaq und Chipwerten eine gesunde Korrektur oder ein erstes Warnsignal? Schreibt es gerne in die Kommentare.
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Stand: 19.10.2026. Quellen: wallstreet-online. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.
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Quellen: Krypto – Crypto Fear & Greed Index von alternative.me; US-Aktien und DAX – eigene Berechnung (Margix) aus Yahoo-Finance-Daten. Keine Anlageberatung.