Krypto-Haltefrist-Aus: Pläne, Umfrage und mögliche Folgen für den Markt
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MargixDE -
22. Oktober 2026 um 12:15 -
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Die geplante Abschaffung der einjährigen Haltefrist für Kryptowerte kommt in Deutschland nicht voran. Den Kabinettstermin am 14. Oktober hat die Bundesregierung platzen lassen, der Entwurf steckt weiter in der Ressortabstimmung. Einen neuen Termin gibt es nach aktuellem Stand nicht.
Gegenwind kommt inzwischen auch aus dem Umfeld der Union: Der Wirtschaftsrat der CDU lehnt die Pläne von Finanzminister Lars Klingbeil in einem Positionspapier ab. Für dich als Anleger ist das wichtig, weil die Haltefrist bisher darüber entscheidet, ob Gewinne aus Kryptoverkäufen steuerfrei bleiben können.
Spannend ist dazu eine Umfrage von BTC-ECHO und der IU Internationalen Hochschule (wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. David Florysiak). Erstmals wurden Branchen-Insider und Community mit denselben Fragen verglichen.
Was der Referentenentwurf vorsieht
Nach dem Referentenentwurf sollen Gewinne aus Kryptowerten, die ab 2027 angeschafft werden, unabhängig von der Haltedauer besteuert werden. Für Altbestände soll Bestandsschutz gelten, die neuen Regeln beträfen also nur Coins, die nach dem 31. Dezember 2026 gekauft werden. Ob und in welcher Form das Gesetz kommt, ist offen.
Die Zeitleiste
- 5. bis 12. Oktober: Befragung von 46 Insidern und 274 Community-Mitgliedern.
- 14. Oktober: Der geplante Kabinettstermin findet nicht statt, die Umfragen liefen noch davor.
- 31. Dezember 2026: Stichtag für den geplanten Bestandsschutz.
- Ab 2027: Neue Anschaffungen würden nach dem Entwurf unabhängig von der Haltedauer besteuert.
Die Umfrage: Wo Insider und Community auseinanderliegen
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Haltefrist innerhalb von sechs Monaten gesetzlich fällt, schätzt die Community im Schnitt auf 68,6 Prozent, die Insider auf 65,4 Prozent. Beide Gruppen wurden vor der Absage des Kabinettstermins befragt.
Nachfrage
Bei der Nachfrage deutscher Privatanleger ist die Community deutlich skeptischer. 80,1 Prozent erwarten einen Rückgang, 22,1 Prozent sogar einen deutlichen. Bei den Insidern rechnen rund 65 Prozent mit sinkender Nachfrage, die meisten allerdings nur mit einem leichten Rückgang. Etwa ein Viertel erwartet keine Veränderung, 6,5 Prozent mehr Nachfrage.
Verhalten der Anleger
Die Insider nennen als wichtigste Folge mehr kurzfristiges Trading (28,3 Prozent), knapp vor weniger Neuinvestitionen (26,1 Prozent). In der Community liegt der Rückzug vorn: 30,9 Prozent erwarten weniger neue Investitionen, 18,8 Prozent mehr Trading und 14,0 Prozent einen Wechsel in ETPs oder Fonds. Jeweils 12,5 Prozent rechnen vor allem mit einem Ausweichen auf Offshore-Plattformen, dezentrale Börsen oder Self-Custody oder mit einem Umzug ins Ausland. Bei den Insidern sind es zusammen 15,2 Prozent.
Standort Deutschland
Am geschlossensten urteilt die Community beim Standort: 87,5 Prozent erwarten eine Verschlechterung für Krypto-Unternehmen, 55,3 Prozent sogar eine deutliche. Bei den Insidern sind es 73,9 Prozent.
Stimmen aus der Branche
Henning Daut von hy meint, Krypto werde steuerlich zum normalen Wertpapier, aber ohne dessen Infrastruktur. Das nehme Anlegern den Hauptgrund für langfristiges Halten. Dietmar Schantl-Ransdorf von Bitpanda Wealth ➡️ erwartet dagegen keinen nachhaltigen Nachfragerückgang, weil langfristige Motive bestehen blieben. Albert Quehenberger von AQ Forensics verweist auf Österreich, wo die Neuregelung teils sogar rückwirkend galt: Investiert worden sei trotzdem weiter.
David Kurz von Bitvavo ➡️ und Andreas Lipkow von CMC Markets sehen kurzfristiges Trading relativ attraktiver, weil Geduld steuerlich nicht mehr belohnt würde. Von regulierten Produkten wie ETPs und Fonds als möglichen Profiteuren sprechen Raphael Neuberger (Cashlink) und Moritz Schildt (coinIX). Benedikt Faupel von Bitpanda warnt, ohne steuerneutralen Krypto-zu-Krypto-Tausch nach österreichischem Vorbild könnte Handelsvolumen in unregulierte Märkte abwandern.
Wegen des Bestandsschutzes halten Christian Viehof (Validvent) und Mirco Recksiek (Bitcoin2Go) verstärkte Käufe bis Ende 2026 für möglich. Das ist eine Erwartung, keine Gewissheit.
Was die Community kritisiert
In den Kommentaren taucht am häufigsten der Vergleich mit Gold auf: Warum sollen Edelmetalle weiter steuerliche Vorteile haben, Kryptowerte aber nicht? Ein Teilnehmer hält die Reform für verfassungsrechtlich angreifbar, falls sich bei Gold nichts ändert. Andere sehen die Haltefrist als Baustein der Altersvorsorge. Ob die erwarteten Mehreinnahmen so eintreten, bezweifelt ein Teilnehmer mit Blick auf Österreich. Das sind Einzelmeinungen aus der Umfrage, keine belegten Prognosen.
Was du jetzt wissen solltest
- Noch ist nichts beschlossen: Der Entwurf steckt in der Ressortabstimmung, ein neuer Kabinettstermin ist nicht bekannt.
- Der Entwurf sieht Bestandsschutz vor: Betroffen wären Kryptowerte, die nach dem 31. Dezember 2026 angeschafft werden.
- Die Umfrage ist keine Prognose: Sie bildet Erwartungen von 46 Insidern und 274 Community-Mitgliedern ab und ist nicht repräsentativ für alle Anleger.
- Einig sind sich beide Gruppen nur bei der Nachfrage: Beide erwarten mehrheitlich einen Rückgang, nicht aber, wie sich Anleger verhalten.
Unsere Einschätzung
Die Umfrage zeigt vor allem, wie unsicher die Lage ist. Für die Reform spricht, dass sie das System vereinfachen würde und regulierte Produkte wie ETPs und Fonds Zulauf bekommen könnten. Dagegen steht die Sorge vor weniger Neuinvestitionen, Abwanderung in unregulierte Kanäle und einem schwächeren Standort. Dass Österreich als Beispiel für beide Seiten dient, zeigt, wie schwer sich Folgen vorhersagen lassen.
Auch die Umfrage hat Grenzen: Sie lief vor der Absage des Kabinettstermins, die Teilnehmer sind überwiegend krypto-affin, und Erwartungen sind keine Messergebnisse. Der Bestandsschutz beruht zudem auf einem Entwurf, der sich noch ändern kann. Wie du steuerlich mit deinen eigenen Coins umgehst, solltest du nicht von Spekulationen abhängig machen. Bei konkreten Fragen hilft eine Steuerberatung.
Wie seht ihr das? Rechnet ihr mit dem Aus der Haltefrist, und würde es euer Anlageverhalten ändern? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Hier kannst du im Forum mitdiskutieren:
Stand: 22.10.2026. Quellen: BTC-ECHO. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.
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Quellen: Krypto – Crypto Fear & Greed Index von alternative.me; US-Aktien und DAX – eigene Berechnung (Margix) aus Yahoo-Finance-Daten. Keine Anlageberatung.