Brasilien nach Lulas Wiederwahl: Real und Aktien im Kursrutsch
-
MargixDE -
27. Oktober 2026 um 07:15 -
11 Mal gelesen -
0 Kommentare
Die Stichwahl in Brasilien ist anders ausgegangen, als viele Anleger erwartet hatten: Der 80-jährige Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gewann mit 51,8 Prozent gegen Flávio Bolsonaro. Die Märkte hatten zuvor stärker auf Bolsonaro gesetzt, weil sie sich von ihm solidere Staatsfinanzen erhofften. Entsprechend heftig fiel die Reaktion bei brasilianischen Aktien und beim Real aus.
Zusätzliche Unruhe bringt Bolsonaro selbst: Er erkennt seine Niederlage nicht an und fordert, die Wahl zu annullieren. Ein Bericht hält die Erfolgsaussichten einer Anfechtung vor dem Wahlgericht für gering. Sicher ist das allerdings nicht, und die Unsicherheit belastet die Märkte zunächst weiter.
Was bei der Wahl passiert ist
Lula ist laut dem Bericht der erste Kandidat seit der Rückkehr Brasiliens zur Demokratie, der nach Platz zwei im ersten Wahlgang die Stichwahl noch gewonnen hat. Im ersten Durchgang hatte Flávio Bolsonaro vorn gelegen und galt vielen schon als Favorit. In einzelnen Wahlbezirken wurden auf Antrag beider Seiten die Öffnungszeiten der Wahllokale verlängert, nachdem es zu Beeinträchtigungen gekommen war.
Die Marktreaktion: Zahlen mit Vorsicht lesen
Die vorliegenden Berichte zeichnen ein Bild von heftigen Verlusten, nennen aber unterschiedlich große Zahlen. Das liegt zum Teil daran, dass ein Bericht Erwartungen vor Handelsstart beschreibt und der andere Bewegungen am Montag.
- Vor Handelsstart: Ein in Tokio gehandelter Indexfonds auf brasilianische Aktien fiel um bis zu 16 Prozent, so stark wie seit 2020 nicht mehr. Terminkontrakte in Chicago deuteten laut Bloomberg auf bis zu 5,60 Real je US-Dollar, am Freitag waren es noch rund 4,98. Das entspräche einem Minus beim Real von mehr als zehn Prozent.
- Prognosen: Das Analysehaus Monte Bravo hielt einen Absturz des Ibovespa um elf Prozent zum Handelsstart für möglich. In einer Citigroup-Umfrage unter 73 Investoren erwartete die Mehrheit für diesen Fall deutlich steigende Zinsen am Markt.
- Am Montag: Ein anderer Bericht nennt noch drastischere Werte: Brasilien-ETFs wie der MSCI Brazil seien vorbörslich zeitweise fast 30 Prozent gefallen, der Leitindex habe zur Eröffnung mehr als 20 Prozent im Minus gelegen. Das stammt aus einer einzelnen Quelle, wir können es nicht unabhängig bestätigen. Prüf am besten aktuelle Kurse, bevor du Schlüsse ziehst.
Morgan Stanley ➡️ hält es laut Bericht für möglich, dass die Renditen brasilianischer Staatsanleihen stark steigen.
Einzelwerte: Wer wie stark verloren hat
Auch starke Unternehmen wurden mit verkauft. Laut einem Bericht fiel die Aktie des Börsenbetreibers B3 zeitweise um die Hälfte, liegt aber auf Sicht von einem Jahr noch rund 20 Prozent im Plus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird mit 10,5 angegeben, die Dividendenrendite mit 7,2 Prozent. Internationale Konkurrenten wie Nasdaq ➡️, CBOE, CME ➡️ oder die Deutsche Börse ➡️ werden demnach mit Gewinnvielfachen von 25 und mehr gehandelt.
Nu Holdings ➡️, die Digitalbank mit fast 120 Millionen Kunden in Brasilien, verlor am Montag zeitweise bis zu 25 Prozent. Das KGV für 2026 liegt laut Bericht nun bei 14,5, gegenüber einem Mittelwert von 20 bis 21. Analysten sehen den fairen Wert bei 18,92 US-Dollar. Itaú Unibanco ➡️ gab um rund 20 Prozent nach und kommt damit rechnerisch auf eine Ausschüttungsrendite von 7,4 Prozent. Petrobras ➡️ fiel bis Montagabend um 15 Prozent und notiert damit wieder auf dem Niveau vor dem ersten Wahlgang, obwohl der Ölpreis seither um rund zehn Prozent gestiegen ist. Das KGV für 2026 liegt bei 5,8.
Wichtig: Dass eine Aktie nach einem Crash günstig aussieht, sagt noch nichts darüber, ob der Boden erreicht ist. Bewertungen können weiter fallen, wenn Zinsen und Unsicherheit steigen.
Warum die Sorge um die Staatsfinanzen groß ist
Die Konjunktur gibt wenig Rückenwind. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft nur um 0,5 Prozent, der private Konsum schrumpfte. Für das kommende Jahr erwartet die Regierung 2,3 Prozent Wachstum. Die Inflation lag im September bei 4,58 Prozent und damit knapp über der Obergrenze des Zielbands von 4,5 Prozent. Der Leitzins steht bei 14 Prozent, viele Haushalte sind hoch verschuldet, die Zahlungsausfälle bei Privatkrediten sind auf dem höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Positiv ist der Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote sank im Juli auf 5,4 Prozent.
Die Staatsschulden liegen bei mehr als 82 Prozent der Wirtschaftsleistung, so hoch wie seit der Pandemie nicht mehr. Goldman Sachs ➡️ rechnet in Lulas vierter Amtszeit allenfalls mit bescheidenen Fortschritten beim Sparen. Dazu kommt ein Kongress, der so konservativ ist wie nie seit dem Ende der Diktatur. Politikanalyst Creomar de Souza sagt, Lula glaube vielleicht, einen Freifahrtschein erhalten zu haben, müsse aber Koalitionen schmieden.
Die Zeitleiste
- Erster Wahlgang: Flávio Bolsonaro liegt vorn, Lula wird Zweiter.
- Freitag: Der Real steht bei rund 4,98 je US-Dollar.
- Wochenende: Lula gewinnt die Stichwahl mit 51,8 Prozent, Bolsonaro fordert die Annullierung.
- Montag: Kursstürze bei Aktien, ETFs und Real.
Was du jetzt wissen solltest
- Der Wahlausgang war eine Überraschung. Die Märkte hatten auf Bolsonaro gesetzt.
- Die Verlustangaben variieren stark. Prüf aktuelle Kurse, statt dich auf einzelne Schlagzeilen zu verlassen.
- Die Staatsschulden sind der Knackpunkt. Ohne glaubwürdigen Sparkurs dürften Zinsen hoch und der Real unter Druck bleiben.
- Die Anfechtung bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Gute Chancen darauf sehen die Berichte aber nicht.
Unsere Einschätzung
Der Kursrutsch zeigt, wie sehr die Märkte auf ein anderes Ergebnis gesetzt hatten. Chancen gibt es durchaus: Einige brasilianische Unternehmen wachsen, sind nach den Verlusten deutlich günstiger bewertet und schütten hohe Dividenden aus. Bei Petrobras könnte eine Regierung Lula laut einem Bericht sogar höhere Ausschüttungen bedeuten, während es bei der Investitionsstrategie erneut Streit geben könnte.
Dem stehen deutliche Risiken gegenüber: hohe Zinsen, hohe Verschuldung, schwaches Wachstum, ein Währungsverlust von möglicherweise über zehn Prozent und eine ungeklärte politische Lage. Zudem stammen die optimistischen Einstiegsargumente aus einem Bericht mit klarem Kaufimpuls, den du mit Distanz lesen solltest. Wer in Schwellenländern investiert, muss mit starken Schwankungen leben. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Einordnung. Entscheidend ist, wie schnell Lula einen glaubwürdigen Plan für die Staatsfinanzen vorlegt.
Wie seht ihr das? Sind brasilianische Aktien nach dem Einbruch für euch interessant, oder haltet ihr Abstand? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Hier kannst du im Forum mitdiskutieren:
Stand: 27.10.2026. Quellen: wallstreet-online. Dieser Artikel ist keine Anlageberatung.
Top & Flop Aktien
TagesveränderungDie größten Gewinner und Verlierer des Tages im DAX, MDAX, SDAX, TecDAX, Euro Stoxx 50, Dow Jones, Nasdaq 100, S&P 500 und bei den Pennystocks – alle 20 Minuten aktualisiert.
Angstbarometer: Wie ist die Stimmung an den Märkten?
Der Fear-&-Greed-Wert zeigt auf einer Skala von 0 (extreme Angst) bis 100 (extreme Gier), wie ängstlich oder gierig Anleger gerade sind – für Kryptowährungen, US-Aktien und den DAX. Die Werte werden alle 30 Minuten aktualisiert.
Krypto Bitcoin & Altcoins
Krypto Fear & Greed Index: misst die Stimmung am Kryptomarkt anhand von Kursschwankungen, Handelsvolumen, Social Media und der Bitcoin-Dominanz. Diskussion im Bitcoin- & Layer-1-Forum.
US-Aktien S&P 500 · VIX
Margix-Angstbarometer für den US-Markt: berechnet aus dem Trend des S&P 500, seiner Lage im 52-Wochen-Bereich, der Kursstärke und dem Volatilitätsindex VIX. Diskussion bei den Einzelaktien.
DAX DAX 40
Margix-Angstbarometer für Deutschland: berechnet aus dem Trend des DAX, seiner Lage im 52-Wochen-Bereich, der Kursstärke und der Schwankungsbreite. Diskussion im Börsen- & Aktien-Forum.
Skala: 0–24 Extreme Angst · 25–44 Angst · 45–55 Neutral · 56–75 Gier · 76–100 Extreme Gier
Quellen: Krypto – Crypto Fear & Greed Index von alternative.me; US-Aktien und DAX – eigene Berechnung (Margix) aus Yahoo-Finance-Daten. Keine Anlageberatung.